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Darmstädter Echo online
Keine Angst vor sozialen Netzwerken
16.11.10Internet: Südhessens Firmen nutzen Facebook & Co zum Imagetransfer - Mitarbeiter müssen aber Risiken kennen
Das soziale Netzwerk Facebook ist gerade mal fünf Jahre im Rennen. Offene Mitteilungsforen wie Twitter liegen sogar noch unter der Fünf-Jahres-Marke. Dennoch haben sie sich in kürzester Zeit im Internet etabliert und die Kommunikationswege sowohl für den privaten Gebrauch als auch für Unternehmen beschleunigt. Laut Konzernangaben verfügen weltweit gut 500 Millionen Menschen über einen eigenen Facebook-Zugang. Auch viele Konzerne haben mittlerweile ein eigenes Facebook- oder Twitter-Profil angelegt. Die rasante Entwicklung der Internet-Portale wird von der Industrie durchaus als Chance gesehen. Mehrere Großunternehmen in Südhessen sind überzeugt, langfristig davon zu profitieren.
Bundesweit betrachtet werden die Netzwerke aber auch als Bedrohung wahrgenommen. Sicherheitslücken und Datenspionage bringen Facebook in Verruf. Immer mehr Großunternehmen gehen dazu über, Mitarbeitern den privaten Zugang zu
Facebook und anderen populären Online-Diensten wie dem Kurznachrichtendienst Twitter und dem Videoportal You Tube zu sperren. Manche wollen damit verhindern, dass die Beschäftigten ihre Arbeitszeit im Internet vertrödeln und die firmeneigenen Netzwerke durch den Abruf großer Videos unnötig belasten. Das größere Problem ist aber der mögliche Diebstahl von sensiblen Daten.
»Für den Großteil unserer Mitarbeiter sind viele externe Social-Media-Angebote aus Sicherheitsgründen am Arbeitsplatz nicht zugänglich«, teilte etwa die Commerzbank der »Wirtschaftswoche« kürzlich mit. Auch Heidelberg-Cement blockiert Facebook und Twitter. Bei Volkswagen sind ebenfalls verschiedene soziale Netzwerke gesperrt. Porsche hatte erst kürzlich die Nutzung von Facebook aus Angst vor Wirtschaftsspionage verboten. Die Vorbehalte von Unternehmensseite sind nicht unberechtigt.
Im Prinzip kann jeder mit einer fremden E-Mail-Adresse ein Facebook-Profil anlegen - sofern diese dort nicht bereits genutzt wird. Auch ohne eine Bestätigung des eigentlichen Mail-Besitzers werden dann von Facebook mögliche Freunde vorgeschlagen. So können Fremde leicht herausfinden, welche E-Mail-Kontakte eine Person pflegt. Wenn diese auf das falsche Profil hereinfallen, könnten weitere private Informationen ausspioniert werden. »Social Engineering« nennen Experten diese Art gezielter Attacken. Dabei werden beispielsweise gefälschte Profile in sozialen Netzwerken angelegt, um an Informationen von Unternehmen zu gelangen.
Im Rahmen der Gemeinschaftsstudie »SID/FIT Social Media Report 2010/11« der Software-Initiative Deutschland e.V. und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik sehen 76 Prozent der befragten Unternehmen das Thema Datensicherheit als Hürde für die Nutzung von sozialen Netzwerken für berufliche Zwecke. Ebenfalls hoch ist die Angst vor dem Verrat von Geschäftsgeheimnissen (58 Prozent, Mehrfachnennungen waren erlaubt).
Dennoch räumen über dreiviertel der Unternehmen in Deutschland der Meinungsbildung in Online-Portalen wie Facebook, Twitter oder Xing eine wesentliche Bedeutung für ihr eigenes Geschäft ein.
Die vom ECHO befragten Unternehmen im Raum Südhessen argumentierten nahezu einheitlich nach der Devise: »Engagiere Dich, aber sei verantwortungsbewusst und vorsichtig.« So lässt der Darmstädter Dax-Konzern Merck die private Nutzung sozialer Netzwerke, sofern sie nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, durchaus zu. Es wird sogar als positiver Imagetransfer verstanden und ausdrücklich befürwortet, sofern einige Grundsätze beachtet werden. Über das Intranet und firmeneigene Zeitschriften werden die Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert. Die »Sechs goldenen Regeln« empfehlen einen verantwortungsvollen Umgang unter Wahrung der Rechte geistigen Eigentums. Lediglich das Videoportal You Tube sei gesperrt. Eine Überlastung der internen Server sollte so verhindert werden.
Bei der Deutschen Telekom und der Lufthansa AG erfolgt ebenfalls eine positive Einschätzung der Internetplattformen. Wie man sich vor allem bei dienstlicher Nutzung am besten verhält, ist in Richtlinien, so genannten »Social-Guidelines«, dokumentiert. Ein Sprecher des Luftfahrtriesen sieht die Mitarbeiter im Idealfall als »Botschafter der Marke«, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und das nach Außen kommunizieren. Beim Darmstädter Energiekonzern HSE wird die private Nutzung von Internetdiensten grundsätzlich in der Pause geduldet. Man sei derzeit noch dabei, einen entsprechenden Leitfaden für die Mitarbeiter zusammenzustellen.
Der Walldorfer Softwareriese SAP und das Weiterstädter IT-Unternehmen Devoteam Danet GmbH sind sich des Risikos bewusst, dass ein Missbrauch grundsätzlich möglich ist. Sie gehen aber von einem verantwortungsvollen Umgang ihrer Belegschaft aus und schränken die Internetnutzung weder zeitlich noch räumlich ein.
Christian Fuchs, Mitarbeiter des auf Sicherheitssoftware spezialisierten Unternehmens Kaspersky, bestätigt, dass die Unternehmen mit dieser Handhabung besser fahren als mit einem Verbot. »Es ist effektiver, die Mitarbeiter zu sensibilisieren.« Mehr als zwei Drittel der 30 Dax-Unternehmen verzichten daher auf eine Facebook-Blockade. Und setzen auf die Vermittlung ihrer Unternehmenskultur.[...]
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